18.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Sonntag, 18. November 2012 – Auf See, Kurs Salisbury Plain
Südgeorgien / Britisches Überseegebiet

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Eine kurze Nacht liegt hinter uns. Von den uns geschenkten Stunden müssen wir eine zurückgeben. Die Luft- und Wassertemperatur ist weiter gesunken. Das Wetter eher trübe und die Sicht bescheiden. Das hat mit der antarktischen Konvergenzzone zu tun, der wir uns nun nähern. Nur kurz: Kaltes, nordwärts fliessendes antarktisches Oberflächenwasser trifft auf wärmeres, südwärts fliessendes Oberflächenwasser aus dem Norden, den subantarktischen Bereichen des Atlantiks, Pazifiks und des Indischen Ozeans. Sie verläuft um den 50. Breitengrad herum und bildet die Nordgrenze des Südpolarmeers.
Unverdrossen frühstücken wir aber weiter draussen. Wozu gibt es Decken und Heizstrahler. Und von dem was Andreas so früh am Tag wegputzen kann bin ich tief beeindruckt. Angefangen hat das mal mit zwei Spiegeleiern. Dann kamen im Laufe der Zeit weisse Bohnen in Tomatensauce, Speck, grillierte Tomaten, Zwiebeln, Gurkenscheiben und Rösti dazu. Und ich meine, vor meinem geistigen Auge auch noch Nürnberger Rostbratwürstchen zu sehen. Anschliessend geht’s dann mit dem normalen Frühstück weiter. Und danach ist Andreas‘ Welt völlig in Ordnung. Mein Frühstücks-Highlight ist der getarnte Orangensaftsekt. Ein halbes Glas Orangensaft aufgefüllt mit Sekt. Es gibt ja jeden Tag Sekt a go go am Büffet. Da startet der Tag dann turbomässig. Nur die Tarnung hätte ich mir sparen können, hier geniessen die Passagiere das Leben. An vielen Tischen wird der Tag mit Sekt pur eingeläutet.
Um 15.30 Uhr hat dann unsere Gruppe Grün die Südgeorgien Artenschutz Inspektion. So wandern wir mit unserer zu prüfenden Bekleidung und Zubehör hinunter auf Deck 3 und mein Kontrolleur ist Ulrich die Kernschmelze. Unbeeindruckt schaut er etwa 5 Sekunden auf meinen Riesenhaufen und ohne irgendetwas anzufassen meint er „Super, das sieht ja perfekt aus". Na toll, da hätte ich die Stunde Lebenszeit, die es mich gekostet hat, alles pingelig zu durchsuchen anders investiert. Anschliessend müssen wir noch die verpflichtende Erklärung  „Kenntnisnahme der Natur-  und Umweltschutzregeln" für Südgeorgien unterschreiben. Was genau ich da unterschrieben habe weiss ich nicht, aber Widerstand wäre eh zwecklos gewesen. Denn diese Erklärung ist die Grundlage für die Erteilung der Landgangserlaubnis.
Übrigens haben wir ein neues Lieblingswort. Der Bobbes. Hessisch für Hintern. Uwe ist ja aus Mainz und sagt, als er mir ganz Gentleman eine Decke für den Stuhl bringt: „Jetzt heb mal Deinen Bobbes hoch". So ist alles was hinten ist für uns nur noch der Bobbes. Als ich dem Kapitän, ebenfalls ein Hesse, sage, er soll endlich mal den Bobbes herumwerfen, schaut er mich ziemlich konfus an. Ich meinte aber nur, er soll sein Schiff wieder so stellen, dass das Lidodeck, welches ja hinten ist, wieder windgeschützt ist.
Um 17.00 Uhr werden wir dann vom Master und Expeditionsleiter Stefan auf die geplanten Anlandungen in Südgeorgien  vorbereitet. Geplante Anlandungen deshalb, da hier das Wetter in kürzester Zeit wechseln kann. Und wie der Kapitän so schön sagt: „Von nun an ist diese Reise keine Sache des Wollens mehr, sondern des Dürfens".
Das Abendessen im Speisesaal findet bei zugezogenen Vorhängen statt. Nicht das es draussen so scheusslich gewesen wäre und man uns diesen Anblick ersparen will. Nein. Für ein paar Tage, je nach Situation, wird das Schiff bei Einbruch der Dämmerung weitestgehend abgedunkelt um Vogelschlag zu verhindern. Die Aussendecks sind ebenfalls nicht mehr beleuchtet und wir werden angehalten, die Vorhänge in der Kabine zu ziehen. Und zum ersten Mal trinken wir unseren Absacker an der Bar. Die Heizstrahler draussen sind nämlich ebenfalls ausgeschaltet. Ich hoffe, falls andere Schiffe hier unterwegs sind, vertrauen die ihrem Radar. Auch wenn man uns nicht mehr sieht, aber hallo, wir sind noch da.
Waren wir auf der Atlantiküberquerung eher ein Narrenschiff sind wir nun ein Geisterschiff.

Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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10. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Gruppendynamik

Erregte Diskussion am Tisch 37. Alle reden durcheinander, man kann die einzelnen Stimmen nicht zuordnen.

Also, noch mal, wir sind die grüne Gruppe, weil wir grüne Jacken haben.

Die Jacken sind für alle rot.

Dann sind wir Gruppe rot?

Nein, Gruppe grün, unser Boot ist grün.

Das ist ganz schlecht organisiert.

Rot, die Boote sind rot. Kennt Ihr nicht den Schlager „ich hab’ ein knallrotes Gummiboot" ?

Also doch Gruppe rot.

So ein Quatsch die Boote sind schwarz.

Nur der Kapitän hat ein schwarzes Boot.

Gruppe schwarz find’ ich doof.

Das hast Du falsch verstanden, nur der Kapitän hat eine schwarze Jacke.

Gerade hieß es, es gibt nur rote Jacken.

Das ist wirklich ganz schlecht organisiert.

Es gibt auch irgendwie dunkle Jacken für die Fahrer.

Fahren wir mit dem Bus?

Nein mit einem Zodiac.

Wie war das, Zolldackel?

(Alle wiehern vor Vergnügen)

ZO – DI – AC, so heißen die Boote.

Alle oder nur unseres?

Wer hat sich denn so einen blöden Namen für unser Boot ausgedacht? Kann man das noch ändern? Chantal wäre schön.

Warum heißen wir nicht einfach Gruppe 37 wie unser Tisch?

Das ist ganz, ganz schlecht organisiert.

Zahlen größer 3 sind bei Passagieren eines Kreuzfahrtschiffs nicht beherrschbar, ab 2 wird’s schon schwierig. Deshalb nimmt man Farben, die kann man sich leichter merken.

Ja, wenn ich wüsste welche.

So kommen wir nicht weiter, wir müssen nochmals ganz von vorn anfangen. Wir entscheiden demokratisch, erst die Gruppe, dann die Jacke, dann das Boot.

Die Abstimmung ergibt eine knappe Mehrheit für folgende Konstellation:
Gruppe:  grün
Jacke:  rot
Boot:  schwarz
Rest:  im Dunkeln
Damit sich das alle merken können wurde eine Eselsbrücke gebaut:

Wir sind die GRÜNdelmayer,
und alle sind ganz ROT,
wir geh’n mit dunklen Typen
in ein SCHWARZes Boot.

Das lernen wir auswendig und jetzt gehen wir einen trinken.

Auf dem Weg zur Bar

G2: Ich finde das ungerecht. Gruppe rot hat rote Jacken und Gruppe schwarz ein schwarzes Boot, nur Gruppe grün ist angeeimert. Das haben die mit Absicht gemacht.

G1: Klar. Nur uns Intellektuellen wird ein höherer Schwierigkeitsgrad zugemutet.


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