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33 - Manaus - 2 / Indian Village & Rubber Museum (02.01.16)

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Published by in RSSC Grand Voyage 2015-2016 ·
Heute schifft es schon beim Aufstehen aus vollem Rohr! Der Fluss will ja auch mal getränkt werden! Bei uns würden innerhalb einer halben Stunde alle Bäche über die Ufer treten - der Rio Negro schwillt wohl nicht mal einen Millimeter an. Obwohl er momentan Tiefwasser führt. Bei Hochwasser liegt der Wasserstand gut 10 m höher. Ich geh trotzdem auf den Ausflug, bin schon total durchnässt bevor ich auch nur die Gangway runter bin. Macht nichts, es ist ja warm, eigentlich ganz angenehm.
Auf der stündigen Fahrt im geschlossenen Schnellboot (Plastik-Roll-Laden-Fenster runtergelassen) spiele ich mit meiner Lumix rum, sehen tut man momentan ja eh nichts, und beschliesse den noch nie verwendeten 'Intensiv'-Filter auszuprobieren, das hilft das ziemlich triste grau in grau etwas aufzupeppen!
Dann Ankunft bei den Indianern, 4 verschieden Stämme leben da einträchtig zusammen, total knapp 50 Leute. Sie sprechen vier verschiedene Sprachen ... nur die Jüngsten gehen seit kurzem in die Schule und beginnen dort Portugisisch zu lernen, vermutlich der Anfang vom kulturellen Ende, wie mir unser lokale Reiseleiter bestätigt. Etwas Gesang, etwas Tanz, hübsch anzusehen und doch irgendwie unwirklich. Spannend ist es, uns Touristen zu beobachten, ich zähle mich da selber auch dazu. Die meisten bekommen eh nicht viel mit, da sie selber zu stark mit Regenschirm, Schlamm, unpassender Kleidung, völlig deplaziertem Schuhwerk und vielen anderen Details zu kämpfen haben. Aber viele scheinen damit schon Abenteuer genug zu erleben ... Dabei hat's nicht mal giftige oder würgende Schlangen, der Jaguar an der Wand im Rubber-Museum ist schon seit Jahrzehnten tot und über den Wassern des Rio Negro und seiner Umgebung gibt's nicht mal Malaria verbreitende Mücken. Auch keine Piranhas ...
Auch der Besuch des Gummi-Museums, wo bis vor rund 100 Jahren rund 250 mehr oder weniger wie Sklaven behandelte Arbeiter den Gummibäumen an die Säfte gingen und der Gummi-Baron mit seiner Familie sehr feudal lebte, war sehr interessant und liess eine Ahnung aufkommen, wie es hier mal gewesen sein könnte. Eigentlich eine reiche Gegend, ausgebeutet von Kolonialherren und dann, als nicht mehr viel zu holen war, oder das Holen zu aufwändig wurde, wieder verlassen ...
Das heutige Manaus scheint irgendwie in Lethargie zu entschweben. Gemäss Leuten, die noch vor wenigen Jahren schon mal hier waren, erzählen traurig, dass es einst eine blühende, schöne, lebendige Stadt gewesen sei.
Auf der Rückfahrt sehen wir schier unendlich viele verlassen wirkende Boote, Werften auf denen keine Aktivitäten mehr stattzufinden scheinen, sehr wenig Leben und wohl noch weniger Arbeit, auch wenn unser Reiseleiter meint, dass der Öko-Tourismus im Wachsen sei. Hoffentlich hat er recht !!!
Die Gegend hat schon ihre Faszination. Die unendliche Weite, die scheinbare Unberührtheit (auf dem Boden stehend sieht man eben nicht sehr weit, aus der Luft müssten die Eingriffe des Raubtiers Mensch besser erfasst werden können!), viel Stoff für Biologen und Naturbegeisterte!
Kurz nach Abfahrt wieder richtung Atlantik treffen Rio Negro und Amazonas zusammen. Ein besonderes Schauspiel, vermengen sich die beiden verschiedenfarbigen Wasser erst gar nicht. Eine klare Trennlinie, hervorgerufen durch verschiedene Temperaturen, Fliessgeschwindigkeiten und Wasserzusammensetzung. Wegen dem dunkelgrauen Himmel sind die Kontraste wohl etwas gedämpft - aber trotzdem ein spektakuläres Bild!
Ein langes Gespräch mit einem Brasilianer namens Niemayer (muss ihn dann noch fragen, ob er was mit dem berühmten Architekten zu tun hat) verschafft mir etwas Licht im Dunkel all meiner Fragen zu diesem spannenden, reichen und armen Land, das weiterhin ausgebeutet und von Korruption gemartert wird. Das so schön ist und immer wieder überrascht, im Negativen wie im Positiven.




































































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