08.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Donnerstag, 8. November 2012 – Auf See, Kurs Montevideo / Uruguay

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Dicke Post liegt heute in unserem Briefkasten. Die sogenannte Informationsrechnung wurde während der Nacht verteilt. Die kann man dann überprüfen und bei Gefallen am Abreisemorgen die aktualisierte Version unterschreiben und an der Rezeption vorbeibringen. Der Betrag wird automatisch der Kreditkarte belastet. Sehr praktisch. Unsere Rechnung ist vernachlässigbar, da wir vom Internet-Reisebüro ein Bordguthaben von 710 Euro gutgeschrieben bekamen. Und der Betrag wurde auch nicht gekürzt, als feststand, dass ich umsonst reisen darf. Sehr nobel.
Warum jetzt schon eine Rechnung? Rein buchhalterisch machen wir ja zwei Reisen, BRE1222 – die Atlantiküberquerung und BRE1223 – die Antarktisexpedition. Und am Sonntag endet die erste Reise. Von uns rund 80 Passagieren werden etwa 25 das Schiff in Montevideo verlassen. Unter ihnen ja auch unser auswanderungswütiger Jochen. Leider können wir ihn nicht dazu überreden, die Antarktis mit uns zu entdecken. Wir hätten schon noch ein Schlafplätzchen gefunden und wo an einem Tisch sechs Platz haben reicht es auch für sieben. Wir sind jetzt schon traurig.  Aber natürlich freuen wir uns auch total, dass unser Freund Uwe aus Mainz in Montevideo zusteigen wird und Jochens Platz am Esstisch einnimmt. Mit Uwe waren wir schon des Öfteren unterwegs und mit ihm zu reisen ist immer eine Freude. Er macht sein Ding, ist völlig unkompliziert, sehr humorvoll und ein verlässlicher Freund in allen Lebenslagen. Und obwohl wir uns manchmal Jahre nicht sehen ist es beim Wiedersehen immer so, als hätten wir erst gestern ein Glas Wein zusammen getrunken.
Aber noch sind wir ja nicht in Montevideo. Eine Veränderung unserer Gesprächsthemen macht sich jedoch bereits jetzt bemerkbar. Sei es mit der Crew, den Künstlern und Lektoren, oder den Gästen. „Kommen Sie auch mit in die Antarktis?" „Was erwartet uns dort wohl?"
Die Künstler und Lektoren müssen alle von Bord, obwohl der eine oder andere sicher gerne geblieben wäre. Auch von der Crew werden uns einige verlassen. Die abreisenden Gäste fangen an, Visitenkarten zu verteilen. Und das Gerücht, dass wir schon am Samstagabend statt erst am Sonntagmorgen Montevideo erreichen, macht die Runde. Das wundert mich allerdings überhaupt nicht. Wir brettern wie die Irren auf der Atlantikautobahn Richtung Süd. Keine Ahnung warum, wir sind im Zeitplan und die See war uns bis jetzt immer gnädig. Aber ich nehme mal an, der Chef auf der Brücke weiss was er tut.
Und mit all diesen Gesprächen bleibt leider wieder und wie immer keine Zeit, irgend  einen heutigen Programmpunkt zu absolvieren.
Und vom einzig interessanten Termin sind Rémy und ich leider ausgeschlossen: "Premierenfahrer-Cocktail. Wir laden alle Gäste die zum ersten Mal mit der MS Bremen reisen herzlich ein". Mist, wir waren schon mit Bremchen in der Arktis. Aber alle anderen von Tisch 37 dürfen daran teilnehmen. Birgitt und Jochen haben zwar schon verschiedene Kreuzfahrten gemacht, aber nicht auf der MS Bremen. Für Andrea und Andreas ist dies die erste Kreuzfahrt überhaupt. Und ich verneige mich. Ich kenne niemanden, der als Neueinsteiger sofort mit einer 14-tägigen Atlantiküberquerung angefangen hat. Denn, wenn da mal die Leinen los sind gibt es kein Zurück mehr.
Zum Absacker auf dem Lidodeck setzen sich Wetterfrosch Wesp und seine Frau zu uns. Was für ein witziges Paar. Und Herr Wesp ist überhaupt nicht böse, dass er uns nie an einem seiner Vorträge gesehen hat. Während unserem Gespräch beobachten wir einen Passagier der an der Heck-Reling hängt und sehr lange auf’s Meer hinunterstarrt. Spontan ruft Frau Wesp dem Mann beruhigend und aufmunternd zu: „Tue es nicht – es gibt immer eine Lösung!" Wir fallen vor Lachen fast vom Stuhl. Und von nun an ist das der omnipräsente Spruch unserer Reise. Weil jeder von uns Passagieren ständig irgendwo an einer Reling herumhängt.


Kommentare an die Autorin sind willkommen!

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2. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Am Abend vor dem Eintreffen der MS Bremen in Montevideo

Der Maître beim Kapitän.

M:  Ich möchte mich nochmals im Namen der Servicecrew bedanken für Ihr souveränes Eingreifen bei der Bewältigung des Arbeitskampfes zum Vorteil der Werktätigen...

K:  Schon gut, schon gut.

M:  ...also kurzum wenn wir in Montevideo sind wollen wir mal so richtig einen draufmachen, die 5 € gnadenlos auf den Kopf hauen und mit Ihnen die Befreiung von Tisch 37 feiern.

K:  Gießt wortlos zwei große Schnäpse ein.

M:  (völlig verunsichert) Heißt das   -   Tisch   -   37   -   bleibt?

K:  Nein.

M:  Gott sei Dank. Einen Moment lang hatte ich wirklich die Panik.

K:  Es kommen noch welche dazu.

M:  (lacht)  Chef jetzt wollen Sie mich aber...

K:  Nein, will ich nicht.

M:  Kann ich noch einen Schnaps haben? Es kommen noch welche dazu. Was soll man da machen?

K:  Ich habe gestern unterschrieben.

M:  Unterschrieben?

K:  Jjja. Ich gehe auf die Europa.

M:  Auf den Bonzendampfer, gibt es da keine Verrückten?

K:  Doch, aber die geben mehr Trinkgeld.

M:  Der Barkeeper geht auch, hat das Geld zusammen, macht sich selbständig.

K:  Das ging aber fix.

M:  Ja seit diese Schweizerin an Bord ist.

K:  Die vom Fotografen, Gründelmayer oder so ähnlich.

M:  Genau die.

K:  Soll ja eine trinkfeste Lady sein.

M:  Trinkfeste Lady? Die säuft und qualmt wie ein Seemann.

K:  Behauptet auch, dass sie von einem Seemann abstammt.

M:  Von einem Seemann in der Schweiz?

K:  Frag’ nicht mich, frag’ den Doc.

M:  Wie geht’s dem eigentlich. Der Chief hat ihm für Tisch 37 eine kleine, geschlossene Psychiatrie eingerichtet.

K:  Da ist er auch drin. Seitdem geht es ihm schon besser. Er meint in ein paar Tagen könnte er sich entlassen.

M:  Kann ich noch einen Schnaps haben?  Ich hätte auf meine Mutter hören sollen. Die hat immer gesagt Junge lern was Ordentliches.

K:  Der Koch geht auch. Hat auf einem Flussdampfer in Zypern angeheuert.

M:  In Zypern gibt es Flüsse, die groß genug sind, dass ein Dampfer draufpasst?

K:   Zuckt mit den Achseln.

M:  Kann ich noch einen Schnaps haben?  Übrigens wenn wir morgen einen drauf machen können wir vielleicht nochmals mit einer kleinen Zuwendung, 5 € oder so ....

K:  Na klar.

M:  Bist’n echter Kumpel. Sag Erwin zu mir.

K:  Nacht Erwin.

E:  Nacht Chef.



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