19.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Montag, 19. November 2012 – Salisbury Plain, Fortuna Bay, Stromness
Südgeorgien / Britisches Überseegebiet

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Gallery 1: Salisbury Plain

Gallery 2: Fortuna Bay & Stromness Bay

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Um 05.30 Uhr fällt der Anker vor Salisbury Plain, im Nordwesten der Hauptinsel. Gruppe Grün und Weiss ist schon lange aus den Federn da bereits für ca. 06.00 Uhr unsere Ausbootung vorgesehen ist. Nach einem Cappuccino schnell aufs Deck um die Temperatur zu checken. Ich beschliesse, heute noch eine Schicht mehr unter den Wasserspritzschutzhosen und dem Parka anzuziehen. Keine schlechte Entscheidung wie ich dann auf dem Zodiac feststelle. Nach einer geglückten Anlandung, will heissen, meine Gummistiefel bleiben innen trocken, blicken unsere Augen fassungslos auf die Insel. Wohin wir auch sehen, Pinguine, Pinguine und noch mehr Pinguine. Genauer gesagt Königspinguine und Wuschelpinguine. Keine Ahnung wie viele. Ca. 200‘000 wie mir ein Lektor später sagt. Und bei all dem Staunen vergesse ich, auch mal auf den Boden zu schauen und kollidiere beinahe mit einer Pelzrobbe, auch südlicher Seebär genannt. Von dieser Robbenart liegen hier viele in so einer Art Grasnest herum. Aber manchmal auch einfach auf dem Boden. Und Seeelefanten gibt es. Die grössten Vertreter der Hundsrobben. Ausgewachsene  Bullen sind gewaltige Tiere. Bis zu 6 Meter lang und bis 3,5 Tonnen schwer. Denen möchte ich nicht ins Gehege kommen und hoffe, dass ich nicht von so einem Koloss plattgewalzt werde.
So marschieren wir dann mal etwas weiter und kommen uns vor, wie wenn wir auf einem fremden Planeten gelandet sind. Wir wussten zwar, dass die Tierkolonien in Südgeorgien riesig sind, aber wenn man dann so mittendrin steht, braucht das Hirn schon eine Weile um das zu verarbeiten. Und dabei immer achtsam sein, um nicht auf Tiere zu treten und den Mindestabstand von 5 Meter gegenüber Pinguinen einzuhalten. So sind die Regeln. Das Problem ist, wir wissen das aber scheinbar hat das noch nie jemand den Pinguinen erklärt. Die sind nämlich ziemlich neugierig. Weichst du vor einer Gruppe zurück kannst du sicher sein, dass eine andere Gruppe schon an deinem Bobbes hängt. Wir haben ja nur nach vorne Augen. Um 08.00 Uhr müssen die Gruppen Grün und Weiss zurück aufs Mutterschiff um Platz für die Gruppen Blau und Rot zu machen. Rémy kümmert das nicht. Er, besser gesagt sein Fotografenherz fühlt sich von nun an jeder Gruppen zugehörig. Um 10.00 Uhr sind  alle Zodiacs zurück und wir nehmen Fahrt auf nach Prion Island. Diese Insel ist ein wichtiger Brutplatz für viele Seevögel, unter anderem den Wander-Albatrossen.  Aber aus der geplanten Ausbootung um 13.00 auf Prion Island wird nichts. Zu viele Pelzrobben belagern den Anlandesteg und lassen sich auch von unserem Expeditionsteam nicht vertreiben. Andrea ist sehr betrübt, sie hat sich sehr auf die Albatrosse gefreut. Aber die Zeit des Wollens und Dürfens hat begonnen. So nehmen wir Kurs auf Fortuna Bay. Dort angekommen sehen wir schon vom Schiff aus wieder viele Königspinguine und der Strand ist total ausgebucht mit Seebären und Seeelefanten. Aber irgendwie scheint mir, dass manche der Pinguine vier Beine haben und extrem gross geraten sind. So schaue ich mal durchs Fernglas und Gott sei Dank, es sind Rentiere. Ich dachte schon, der Gründelmayer setzt mir zu.
Nach einer Vorschau auf morgen fahren wir in der Dämmerung in die Stromness Bay ein. Drei Walfangstationen gab es hier einst. Die letzte wurde 1966 geschlossen. Und ich mag überhaupt kein Wort über diese damaligen Walfangmassaker verlieren. Es ist einfach nur abscheulich, wie man diese wunderbaren Tiere  niedergemetzelt hat. Und ich bin froh, dass wir nur langsam daran vorbeifahren, da ein Besuch  wegen des zunehmenden Verfalls dieser Walfangstationen ein zu hohes Sicherheitsrisiko ist und sie nicht mehr besucht werden können.
Und alle Kinder der Welt können sich glücklich schätzen, dass sie nicht mehr diesen absolut scheusslichen Lebertran eingeflösst bekommen. Meine Generation hatte noch Pech.

Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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11. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Pinguine

Pinguine waren einmal fliegende Einzelgänger. Aber das Fliegen war ihnen bald buchstäblich zu oberflächlich und da sie den Dingen mehr auf den Grund gehen wollten, konzentrierten sie sich auf ihre eigentlichen Hobbys: Wandern und abtauchen. So durchstreiften sie neugierig die Welt, immer auf der Suche nach Unbekanntem und kamen schließlich in die Antarktis.

Die Antarktis war das Reich des Wetters und das duldete keine Eindringlinge. Aber egal welche Kapriolen es auch schlug, ob grausamste Kälte, oder eisigste Stürme, das Wetter arbeitete sich erfolglos an den Pinguinen ab. Die blieben völlig unbeeindruckt, denn sie hatten sich in den Kopf gesetzt etwas in der Antarktis zu finden. Irgend etwas muss es doch auch hier geben, aber wo sie auch suchten, sie fanden nichts.

Bis eines Tages an einem Küstenstreifen ein Schiff auftauchte.

Na bitte, sagten die Pinguine haben’s wir doch gewusst, dass es auch hier etwas zu sehen gibt. Sie stellten sich an den Strand und warteten auf die weiteren Ereignisse. Seltsame Wesen waren in den schwimmenden Schachteln und die Pinguine wollten durch beharrliches Beobachten der Sache auf den Grund gehen.

Es kamen weitere Schiffe und weitere Pinguine. Die Ansammlungen wurden größer und zogen sich die Berghänge empor, damit alle eine gute Sicht hatten. Die langen Wanderbeine wurden zu standfesten Stummeln, die jede Stehlampe an Ausdauer übertreffen.

Je mehr Schiffe wegen der Pinguine kamen, desto mehr Pinguine kamen wegen der Schiffe.

Mit der Zeit wurde den Pinguinen das reine Beobachten zu langweilig, sie begannen auf das Verhalten der seltsamen Wesen Wetten abzuschließen.

Ganz unten am Strand, an der Brandungslinie stehen die Zocker. Gewettet wird auf nasse Füße der seltsamen Wesen, die aus ihren Gummibooten an Land springen. Einsätze sind möglich auf „Plitsch" (linker Fuß), „Platsch" (rechter Fuß) und „Plitsch Platsch" (beide Füße.)

Einige der Zocker haben es zu erheblichem Reichtum geschafft, beschäftigen eigene Bodyguards, Fischfänger und Eiersitter.

Mitunter sieht man kleinere Gruppen, einer vorneweg. Ob er ins Meer springt, oder plötzlich umkehrt, alle anderen immer hinterher. Nun könnte man denken das ist ein Anführer, der nicht immer weiß wo’s langgeht, tatsächlich ist es aber ein Zocker mit Wettschulden auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Die Wettsucht hat nämlich mit der Zeit dramatische Formen angenommen. Immer mehr Pinguine haben sich, ihre Familien und ihre Angestellten ruiniert.

Schließlich wurde es so schlimm, dass die IAATO eingreifen musste und die Anzahl der an Land springenden seltsamen Wesen drastisch begrenzte und damit auch dem Wettunwesen auf nasse Füße Schranken setzte.


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